Sie suchen die verlorenen Brunnen der ersten europäischen Stadt der Kanaren — und die Stadt liegt hier

Als 1402 die Normannen Jean de Béthencourts auf Lanzarote landeten, gründeten sie eine Stadt und nannten sie San Marcial del Rubicón. Es war die erste europäische Siedlung der Kanaren: vor Las Palmas, vor Santa Cruz, vor allem anderen. Dann verschwand sie.
Seit sieben Jahren gräbt ein Team von Archäologen, um sie wieder zusammenzusetzen. Dieses Jahr suchen sie etwas Bestimmtes: das Wasser.
Die Brunnen, die es vielleicht gibt
Vier Brunnen sind auf dem Gelände bekannt. Doch schriftliche Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts deuten auf weitere hin, und auf der Insel gesammelte mündliche Zeugnisse sprechen von sechs oder sieben. Die untersuchte Schlucht wurde in jenen Jahrhunderten stark genutzt.
Die diesjährige Kampagne soll das bestätigen oder ausschließen: Gesucht werden Strukturen rund um die Wassernutzung. Auf einer Insel ohne eigenes Wasser ist die Frage, woher die erste europäische Stadt der Kanaren ihres nahm, kein Detail, sondern der Grund, warum diese Stadt überhaupt bestehen konnte.
Wer gräbt
Das Team ist interdisziplinär und wird von den Archäologen María del Cristo González, Esther Chávez, Nona Perera, Luis Alejandro García und Miguel Ángel Hervás geleitet. Dazu die Firma Baraka Arqueólogos und Studierende beider kanarischer Universitäten, Las Palmas und La Laguna.
Dahinter stehen vier Institutionen: die Kanarische Regierung, die beiden öffentlichen Universitäten und die Gemeinde Yaiza. Vier Unterschriften unter einer Grabung, sieben Jahre in Folge, sieht man selten.
Wonach sie wirklich suchen
Nicht nach Vitrinenstücken. Sie suchen, wie gelebt wurde: woher die Leute kamen, was sie den Tag über taten, wie sie miteinander auskamen. Das ist der Unterschied zwischen einer Tafel an der Wand und einer Stadt, die man versteht.
Diese Woche besuchten Yaizas Bürgermeister Óscar Noda, Kulturerbe-Stadträtin Silvia Santana und Stadtrat Rubén Arca die Grabung und dankten den Beteiligten.
Der Name jener Stadt überlebt in einer weißen Kirche in Femés, die noch immer San Marcial de Rubicón heißt. Der Rest liegt unter der Erde — und wird Eimer für Eimer heraufgeholt.
Pamela Maletti
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